Scythe

Dieses Strategie-Spiel für 1-5 Spieler (mit Erweiterung für bis zu 7) von Jamey Stegmaier ist für mich eines der besten seines Jahrgangs.

In dem Spiel geht es darum, dass wir in einer alternativen Wirklichkeit in den 1920er Jahren mit verschiedenen Fraktionen/Nationen um die Vorherrschaft in Europa kämpfen.

Auch wenn es danach klingt, spielt der Kampf in diesem Spiel jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Es ist ein Aufbauspiel, in dem man versucht, seine eigene Nation zu stärken, zu verbessern und sich gegen die anderen durchzusetzen. Jede Fraktion beginnt mit verschiedenen Voraussetzungen, Stärken, Schwächen und Ressourcen. Durch Aktionsauswahl produziert man, handelt, baut Gebäude oder sogenannte Mechs (Kampfeinheiten), entwickelt eigene Fähigkeiten und bewegt sich auf dem großen Spielbrett. Manchmal kommt es zum Kampf, der auf interessante Weise (mit Stärkepunkten und Kampfkarten) ausgetragen wird.

Weiterhin gibt es Begegnungen, die liebevoll ausgestaltet wurden mit stimmungsvollen Texten und Bildern. Spieltechnisch bedeuten die Begegnungen immer einen Gewinn für denjenigen, der sie hat. Für die Errungenschaften und Kämpfe kann man Auszeichnungen (Sterne) gewinnen. In dem Moment, wo ein Spieler 6 Sterne erreicht hat, ist das Spiel sofort beendet. Dann wird ausgerechnet, wer das meiste Geld verdient hat, wobei es zwar auch auf die errungenen Sterne, aber auch auf die besetzten Gebiete, das Ansehen und die erwirtschafteten Ressourcen ankommt. Dadurch gewinnt nicht unbedingt derjenige, der das Spiel beendet.

Das Spiel begeistert mich, weil es gute Planung erfordert, die immer andere Kombination der Aktionstableaus richtig zu nutzen. Es macht Spaß, die verschiedenen Fraktionen auszuprobieren und verschiedene Ausgangspositionen auf dem Spielbrett einzunehmen. Es ist ein Spiel mit Interaktion, wenn man sie sucht. Wenn man jedoch lieber den anderen auf dem Spielbrett aus dem Weg gehen möchte, ist das (zumindest eine Weile) auch möglich. Das Aufbauen der eigenen Fraktion und Verbessern der eigenen Fähigkeiten macht wirklich viel Spaß, selbst wenn man nicht gewinnt. Nach jedem Spiel wollte ich am liebsten gleich die nächste Runde spielen. Die Spieldauer hält sich mit ca. 90 bis 120 Minuten für so ein großes Spiel noch in einem angenehmen Rahmen. Außerdem sind die Grafiken und Illustrationen wirklich sehr schön. Der Autor hat das Spiel erst entwickelt, nachdem er die Bilder vom Künstler Jakub Rozalski gesehen hatte und das finde ich sehr nachvollziehbar. Die Bilder haben einen ganz eigenen Reiz.

Ach, und für mich auch nicht unwichtig: Die Solovariante des Spiels funktioniert wirklich sehr gut – es gibt verschiedene Schwierigkeitsgrade und einen Automa-Gegner, der mit Karten gut funktioniert und eine echte Herausforderung darstellt. Es kommt einer echten 2-Spieler-Partie sehr nahe. Ich habe es alleine, zu zweit, zu dritt und zu fünft gespielt. In jeder Konstellation hat es gut funktioniert und Spaß gemacht.

2016 wurde das Spiel von Morning Players auf Deutsch herausgebracht, ist im Moment schwer zu bekommen, wird aber wohl im Sommer 2017 bei Feuerland wieder neu aufgelegt. Hoffentlich werden dann auch die Erweiterungen schnell auf Deutsch herauskommen, denn darauf freue ich mich schon sehr!

Wertung

Michaela

Christian 10