Die erste muss, die zweite darf…

Bohnanza

Heute möchte ich einmal über ein Spiel berichten, das in diesem Jahr sein 20jähriges Jubiläum feiert. Bohnanza aus dem Jahre 1997 ist sicherlich ein Klassiker – aber mein Lieblingsklassiker. Es handelt sich um ein Kartenspiel, welches ein paar Kniffe hat, die es besonders machen.

Zunächst fällt ins Auge, dass es in der Grundversion mit drei bis fünf Spielern gespielt werden kann. Zwei Spieler gehen hier nicht. Das ist aber nur folgerichtig, denn es handelt sich um ein Spiel mit Handelsmechanismus und zu zweit ist dies schwierig.

Die Spieler müssen auf Ihren Feldern Bohnen sortenrein anbauen. Wenn man sie letztlich erntet (oder ernten muss, da nur eine Bohnensorte pro Feld angebaut werden darf) erhält man ab einer Mindestanzahl gestaffelt Bohnentaler – die Siegpunkte. Je öfter eine der acht Bohnensorten dabei ist, umso mehr Bohnen muss man pro Feld anbauen, um auch die höchste Stufe – vier Bohnentaler – zu erreichen. Nun wäre es ja ein leichtes von seiner Kartenhand eine der acht Bohnensorten auf eines der zwei Bohnenfelder auszuspielen (ein drittes kann man später für einen Bohnentaler hinzukaufen). Irgendeine Kombination geht sicherlich immer. Aber so leicht wird es uns hier nicht gemacht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kartenspielen, darf hier nicht beliebig aus der Kartenhand gespielt werden. Vielmehr darf die Reihenfolge der Karten auf der Hand nicht geändert werden und es wird immer von vorne ausgespielt. Die ersten Partien ist dies reichlich ungewohnt und man ist immer versucht, die Kartenhand zu sortieren. Dieser Modus limitiert natürlich die Möglichkeiten, wenn man nicht geschickt spielt und dafür auch das Handelsmoment nutzt. Denn nachdem man die erste Karte ausspielen muss, die zweite ausspielen darf, muss man zwei weitere Karten ziehen, die es anzubauen gilt. Entweder sie passen einem und daher werden sie selbst angebaut oder sie passen nicht zu den bereits angebauten Bohnen und man versucht sie den Mitspielern anzudrehen.

Bohnanza

Hier kann man alles in die Waagschale werfen. Entweder es bleibt bei den einzelnen Karten oder man fügt noch weitere von seiner Hand hinzu, um es den Mitspielern schmackhaft zu machen oder weil es sich taktisch anbietet, bestimmte Karten loszuwerden. Hier hat für mich das Spiel die größte Stärke. Alle wollen irgendwie handeln, so dass es in den meisten Fällen auch zu einem Handel kommt. Mit mal mehr und mal weniger guten Ergebnissen. Und wenn wirklich gar keiner mit einem handeln will, muss man seine Strategie eben anpassen. Das funktioniert in meinen Augen wesentlich besser als etwa bei Catan. Wenn hier jemand in Führung ist, handelt im Regelfall der Rest nur noch zu äußerst ungünstigen Konditionen mit demjenigen – wenn überhaupt.

Bei Bohnanza kommt es also auf eine gute Taktik ebenso an, wie gut handeln zu können. Das Glücksmoment ist beim Nachziehen der Karten natürlich vorhanden, jedoch kann es durch geschicktes Handeln und Anbauen gut eingegrenzt werden. Eine Runde Bohnanza spielt sich in etwa 45 Minuten, womit das Kartenspiel zu den längeren seiner Art gehört. Allerdings ist man auch bei großen Runden nicht unbeschäftigt, denn schließlich gilt es immer mit dem aktuellen Spieler ins Geschäft zu kommen. Eine „Downtime“ gibt es nicht.

In den zwanzig Jahren sind etliche Erweiterungen und „Spin-Offs“ zu dem Grundspiel gekommen. Insgesamt listet Boardgamegeek 25 Erweiterungen. Da sind recht essentielle darunter, wie etwa die Erweiterung, um das Spiel auch mit sieben Spielern zu spielen. Im Übrigen muss ich aber sagen, dass mir das Grundspiel – auch wegen seiner Einfachheit – am besten gefällt.

BohnanzaEinige „Spin-Offs“ sind allerdings ebenso interessant. Etwa „Würfel Bohnanza“ oder ganz neu „Bohnanza – Das Duell“, mit dem man das Spiel nun auch zu zweit spielen kann. „Mein erstes Bohnanza“ ist die Juniorversion, mit der man über ein pädagogisches Konzept einer vereinfachten Version immer detailliertere Regeln hinzufügt, bis man schließlich beim Original-Bohnanza landet. Ich habe damit erfolgreich meine Tochter an das Spiel heranführen können und es funktioniert tatsächlich schon ab vier Jahren.

Ich möchte nicht sagen, dass es jedermanns Spiel ist, aber bei mir rangiert es ganz oben.

Wertung

Christian 9