Barony

Barony ist 2015 bei Matagot als multilinguale Version erschienen. 2-4 Spieler schlüpfen in die Rollen niederer Adliger und versuchen in ca 90 Minuten (zu viert, zu zweit eher eine gute Dreiviertelstunde), durch gezielte Landnahme in der Adelshierarchie aufzusteigen. Ich würde das Spiel als gering komplexes Gebietskontrollspiel mit ausgezeichnetem Material bezeichnen, bei dem schon nach wenigen Zügen eine gewisse Verbissenheit einsetzt – plötzlich scheint das Anfangs noch sehr leere Spielfeld geschrumpft zu sein und man gerät schnell in Konflikt mit seinen Mitspielern.

Die Regeln sind schnell verinnerlicht, man muss ein paar Dinge über die fünf Landschaftstypen  (Wasser darf nicht betreten werden, Berge sind einfach zu sichern, geben allerdings nur wenig Siegpunkte, im Wald dürfen keine Städte errichtet werden, Ebene und Acker sind heiß begehrt, haben keine Einschränkungen und bringen mehr Siegpunkte) und die vier Arten von Spielfiguren (Ritter sind die einzigen mobilen Einheiten, mit ihnen breitet man sich aus, errichtet zuerst Dörfer und danach Städte und kämpft gegen gegnerische Ritter bzw. überfällt feindliche Dörfer. Dann sind da noch Festungen, sehr fein, da nicht von anderen Figuren zu betreten, leider hat man nur zwei Stück…) wissen und schon kann es losgehen.

Reihum führt jeder Spieler eine von sechs möglichen Aktionen aus: 1. Ritter bewegen, ggf. kämpfen oder plündern, 2. Festung oder Dorf bauen, 3. dieses zur Stadt „upgraden“, 4. vom Vorrat frische Ritter in Städte setzen, 5. Siegpunkte gegen Adelstitel tauschen oder 6. einen eigenen Ritter opfern um dafür einen anderen irgendwo am Spielfeldrand plötzlich einzusetzen – die fiese Hintertür, um anderen die Pläne madig zu machen.

Es geht oft schon beim Aufbau des Spiels los, nach dem Zusammenlegen des variablen Spielplans werden die ersten Startstädte platziert, schon hierbei kriegt man sich in die Haare („Da wollte ich eigentlich hin!“ / „Komm mir bloß nicht zu nahe!“ usw.), noch bevor das eigentliche Spiel losgeht. Da kein Glück im Spiel ist, kann jeder Denkfehler fatale Folgen haben, das Spiel ist diesbezüglich sehr ungnädig (die Mitspieler meistens auch). Man sucht ständig einen Weg zwischen  Ausbreitung und Schutz, gibt man sich eine Blöße durch eine ungeschützte Stelle, rennen einem oft die feindlichen Horden eine empfindliche Lücke in die (dann wohl doch nicht so) sorgsam geplante Verteidigungslinie. Einschätzen, was man selber in den nächsten paar Zügen will und was die Gegenspieler so vorhaben, wird hier zur Königsdisziplin.

Das Spielgefühl ist einerseits positiv, denn man muss nur eine sehr überschaubare Anzahl von Mechanismen beherrschen und, falls man keine Analyseparalytiker am Tisch hat, ist die Wartezeit zwischen zwei Zügen äußerst kurz – andererseits herrscht eine durchweg angespannte Stimmung, da man sich keine strategischen Schnitzer erlauben darf und jeder ständig nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Allianzen, falls sie denn zustande kommen, sind brüchig, man sollte seinen Verbündeten nicht weiter trauen, als man sie werfen kann…

Wenn Neulinge gegen alte Hasen spielen, werden erstere es schwer haben, denn schon die Anfangspositionierung der ersten Städte kann spielentscheidend sein und ein „Festhängen“ ist genauso möglich wie ein enormer Vorteil, den man sich durch eine günstige Ausgangsaufstellung verschafft. Am Spielende ist der Plan oft sehr voll, so dass einem oft der Platz fehlt, um sich weiter auszubreiten (siehe Bild unten…) und nur aggressives Vorgehen einen Ausweg darstellt – oder den Untergang…

Mir gefällt „Barony“ gut, ich kann es vor allem Gelegenheitsstrategen empfehlen, die ein nicht allzu komplexes Spiel suchen, das aber trotzdem genug Tiefgang bietet, um längerfristig zu unterhalten. Leicht zu lernen, gegen Veteranen nicht leicht zu meistern und schon gar nicht leicht verdaulich: die verbissene Spielatmosphäre, die entstehen kann, ist sicher nicht jedermanns Sache, danach empfehle ich als Absacker ein Leichtgewicht wie „Dead Man’s Draw“ zum „wieder Runterkommen“.

fast am Spielende angelangt

fast am Spielende angelangt

 

Barony bekommt von mir 7/10 Punkten.
Die Erweiterung „Barony – Sorcery“ habe ich zwar schon im Schrank stehen, aber noch nicht ausprobiert. Neben der Möglichkeit zu fünft zu spielen kommt als neuer Mechanismus Magie mit hinzu, ich halte Euch auf dem Laufenden, wenn ich es ausprobiert habe.

 

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